The Source by Ayreon

CD Album "The Source" by Ayreon. Frontcover

Ayreon
“The Source”
Progressive Rock/Metal. Rock Opera

  •  2 CD, 2017
  • original
  • Music Theories Recordings
  • MTR 7515 2
  • gebraucht 

2017 erschien mit “The Source” die Vorgeschichte zum Forever-Zyklus. Ich verlege es an den Anfang meiner Interpretation (auch wenn es das zuletzt erschienene Album ist), die sich vom offiziellen Kanon Arjen Lucassens unterscheidet. Aber das ist nun einmal, was Arjens Werk in mir auslöst.

Die Alphans des Planeten Alpha selbst werden durch ihre eigene KI “Frame”, der sie alle Entscheidungen überlassen haben, als eigentliches Problem erkannt – und vernichtet. Nur der Android TH-1 rettet zehn Alphans und flieht mit ihnen zum Planeten Y. Hier erklärt sich TH-1 zum neuen „Frame“, und aus den Alphans entwickeln sich die Forever. Sie werden zwar relativ unsterblich, sind aber komplett abhängig von Technologie. Und verlieren ihre Emotionen. Sie spüren allerdings ihren drohenden Untergang und senden einen mit ihrer DNA geimpften Kometen zur Erde. Der vernichtete die Dinosaurier und ebnete der Entwicklung der Menschheit den Weg. Vom Menschen wollen sie wieder lernen, was Emotionen sind.

Das soll zur Story erst einmal reichen. Auch hier hat Arjen keine Mühen gescheut und eine bunte Riege an Musikern zusammengetrommelt. Ich nenne nur drei: James LaBrie, Floor Jansen und Hansi Kürsch. Auf dem Backcover sind alle Mitstreiter aufgelistet.

CD Album "The Source" by Ayreon. CD A

Musikalisch gibt es folkige, rockige Klänge bis hin zum Progressive Metal. Das ist nicht immer radiotauglich und im Gegensatz zu den “gefälligeren” Ayreon-Alben auch ganz gut so. Es gibt viel Gesang, auch mehrstimmig. Hier erzählen sich die Sänger gegenseitig, was in der Story gerade passiert. Das kann auch mal anstrengend werden, oder sogar nervig. Nicht weil es schlecht gemacht wäre. Es kommt einfach auf die eigene Konstitution des Tages an. Ich mag perfekte Alben wie “The Source”, aber manchmal muss es roher Rock oder erdige Live Blues sein. Auf alle Fälle generiert “The Source” Bilder im Kopf. Die entstehen einerseits durch die Lyrics, die Dramatik im Gesang und die Musik, die mal balladesk, mal rockig, mal hart hämmernder Metal ist oder folkig daherkommt. Das passt immer wie der berühmte Deckel auf den Topf. Und zusammengehalten wird das vom progressiven Stil, mal melodischer Neo-Prog, mal Metal-Prog.

CD Album "The Source" by Ayreon. CD B

So Herr Rezensent, welche Tracks empfehlen Sie denn so? Bei Konzeptalben immer das ganze Werk. Anspielen würde ich “The Day That The World Breaks Down”. Warum? Weil es den Stil von “The Source” “in a nutshell” wiedergibt. Und daran sollte sich der Hörer gewöhnen, dass Themen und Rhythmiken auch in den anderen Alben immer wieder mal aufgegriffen werden. Ich mache mir sicher keine Freunde: Innovativ ist Ayreon nicht. Aber perfekt austariert und immer interessant. “The Final Experiment” begleitet mich seit 31 Jahren und es wird einfach nicht langweilig. Weiter antesten würde ich noch das am Anfang fröhlich daherkommende “Everybody Dies”. Knackig, rockig, mit viel schwarzem Humor. Den wechselhaften Gesang hebe ich hier besonders hervor. “Aquatic Race” beginnt für mich fast Vintage-like. Auch hier ist der treibende Rock/Metal-Beat, gemischt mit dem Gesang der unterschiedlichen Charaktere, besonders gut gelungen. Ein Fest in etwas mehr als sechs Minuten.

Was, ein Fazit wollt ihr auch noch? Ein besonders gut gelungenes Werk von Ayreon. Und eben nicht nur für Leute, die es bombastisch mögen. Ich glaube mein größtes Lob ist, dass auch in 20 Jahren “The Source” immer noch aktuell und interessant sein wird.

CD Album "The Source" by Ayreon. Backcover

Die Fotos stammen alle von meiner LP. Die Rechte aller Motive, Logos, Texte und Schriften, die auf den Fotos zu sehen sind, liegen natürlich beim Rechteinhaber.

TheProgThief
©24.09.2026
Mk 2

Um diese Rezension nicht unnötig aufzublähen, schiebe ich meine allgemeine Kritik an das Ende. Die gesamte Story – sowohl der offizielle Kanon als auch meine Interpretation – ist logisch löchriger als niederländischer Käse.

Bei Arjen soll der neue Universal Migrator alles besser machen. Die Logik sagt mir allerdings, dass der Migrator, der schon vor dem Urknall „existierte“, eigentlich nur eine neue Saat in das neu entstandene Universum bringt. Ich habe daraus einen hoffnungslosen Fall gemacht: eine Allegorie auf unser menschliches Verhalten, unsere Fehler der Vergangenheit immer wieder zu wiederholen. Und die (humanoiden) Außerirdischen sind genauso doof wie wir.

In meiner Interpretation gibt es keine Hoffnung. In Arjens schon. Sagen wir, es gäbe eine Art Migrator, der am Ende des Universums einen neuen Urknall auslöst und eine neue Saat des Lebens ausbringt: Warum sollten daraus immer wieder die gleichen Zivilisationen entstehen? Es sei denn, es gäbe ein unendliches Multiversum.

Bei Sci-Fi darf man die Logik ruhig einmal in die Schublade legen. Fakt bleibt, dass Arjen Lucassen ein unterhaltsames Werk erschaffen hat. Genießt es einfach als musikalisches Werk – mit meiner, eurer oder Arjens Interpretation.

TheProgThief
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