Jade by Flowing Tears
Flowing Tears
“Jade”
Dark/Gothic-Rock
- Black Vinyl, 2021 (2000)
- Reissue
- Transcending Records
- TR098V
- neu
Flowing Tears war eine deutsche Gothic Rock/Metal Band, die von 1994 – 2008 in wechselnden Formationen bestand. Ich beschränke mich auf die Phase von 1997 bis 2008. Meiner Meinung nach waren die beiden Frontfrauen Stefanie Duchêne (1997–2002) und Helen Vogt (2003–2008) mit ihren warmen und dunkleren Stimmen die Gesichter der Band.
“Jade” war bereits das dritte Album der Band und das zweite mit Stefanie Duchêne. Da bezahlbare gebrauchte CDs nicht so leicht zu bekommen sind, war ich umso glücklicher, als Transcending Records “Jade” 2021 auf 180Gr. schweren Vinyl wiederveröffentlichten.
Flowing Tears waren weder innovativ noch eine neue Form des Gothic Rock/Metal. Natürlich muss Musik nicht innovativ sein, damit sie gut ist. Den Unterschied machte für mich Stefanies dunklere Stimme. Keine liebliche, helle Stimme wie die von Liv Kristine (Theatre Of Tragedy). Und genau davon war ich sofort fasziniert. Sie gibt dem Gothic eine ganz andere Färbung. Das taten auch Liv Kristine und Theatre Of Tragedy, nur auf ihre eigene Weise.
“Jade” würde ich – anders als das spätere Album “Thy Kingdom Gone” – nicht zum Gothic-Metal zählen. Es ist eher ein ruhiges Dark/Gothic-Rock Album, das von Stefanies Gesang lebt. Im Gegensatz zu anderen, deutlich kitschigeren Gothic-Bands (was ich ebenfalls mag), trugen Flowing Tears und Stefanie das alles erwachsener vor. 2000 war sie gerade einmal 20. Hier gibt es keine durchgehende Depression, immer wieder blitzen Hoffnung und Licht auf. Das meine ich mit erwachsenem Gothic, im Gegensatz zum Teenie-Herzschmerz-Gothic. Der selbstverständlich seine Berechtigung hat.
Der kurze, rockige Song “Godless” lebt vom wandelbaren Gesang Stefanies. Zerbrechlich am Anfang, kräftiger im weiteren Verlauf. Ein simpler Rhythmus, na und? Der Song ist gut. “Sistersun” toppt das allerdings. Für mich geht es ums Älterwerden und um die Vorbereitung auf den eigenen Tod. Klischeehaft? Ja. Gut vorgetragen? Ja. “Swallow” hingegen kommt als Ohrwurm daher, der bei mir überhaupt nicht funktioniert. Zu viel Wiederholung. Für mich der schwächste Track. Allerdings kein Song zum skippen. Das Ende einer Beziehung behandelt der traurige Song “Lovesong For A Dead Child”, der jedoch auch Raum für Hoffnung lässt. “Under The Red” lässt mein Herz höher schlagen. Wechsel zwischen rockigen und ruhigen Passagen. Hervorragend gesungen. Für mich ist es das Herz dieses Albums. Keine für manchen Gothic typischen, breiten Keyboard Passagen. Sie unterstützen auf diesem Album die Gitarren, und das gefällt mir sehr gut.
“Turpentine” ist ein kurzer instrumentaler “Absacker”, bevor es zu “The One I Drowned” kommt. Auch wenn der Text recht wiederholend daherkommt, ist es die Art, wie Stefanie ihn gesanglich umsetzt, die mich überzeugt. Die Band ist gut, ohne Zweifel. Aber ich glaube, dass das Album ohne Stefanie nicht so gut funktionieren würde. Sie macht für mich den Unterschied zu vielen anderen Gothic-Bands aus. “Vanity” bringt männlichen Sprechgesang, begleitet vom Klavier/Keyboard. Ein guter Break, allerdings auch sehr düster: “Does it really take dying children, To see what makes the world go round?”. Besonders herausheben muss ich noch “Radio Heroine”, ein Song voller Sehnsüchte, der sanft beginnt und in ein furioses Finale übergeht. Kritik? Er ist zu kurz. “Coma Garden” ist sehr ruhig vorgetragen und für mich auch zu kurz geraten. “Jade” beginnt ruhig, endet allerdings mit einer rockigen Gitarrenwand. “White Horses”: Wieder männlicher Sprechgesang, kurzer Text und der Rest ist rockig instrumental.
Fazit
Schade das es Flowing Tears nicht mehr gibt. Stefanie Duchêne drückte nicht nur “Jade” mit ihrer Stimme ihren Stempel auf. Es gibt wenig Leerlauf, auch wenn die Songs einfach strukturiert sind. Beim Gothic kommt es für mich nur auf die transportierten Stimmungen an, das gelingt Flowing Tears eindrucksvoll. Vor allem wegen Stefanies Stimme.
Bass – Frederic Lesny
Drums – Eric Hilt
Guitar – Benjamin Buss, Manfred Bersin
Keyboards – Mike Volz
Mastered By – Siggi Bemm
Mixed By – Waldemar Sorychta
Music By, Lyrics By – Flowing Tears
Producer – Waldemar Sorychta
Vocals – Stefanie Duchêne
Die Fotos stammen alle von meiner LP. Die Rechte aller Motive, Logos, Texte und Schriften, die auf den Fotos zu sehen sind, liegen natürlich beim Rechteinhaber.
TheProgThief
©31.08.2026
Mk 3




