Sacrifice by Sweet Ermengarde

CD Album Sacrifice by Sweet Ermengard, Frontcover

Sweet Ermengarde
“Sacrifice”
Gothic-Rock/Metal

  • Digipack, CD. 2024.
  • original 
  • Solar Lodge
  • SL 073
  • neu

Tief im Westen Deutschlands, da, wo die Sonne verstaubt… wurde Sweet Ermengarde 2011 gegründet. Da mir diese Band zufällig über den Weg lief und ich den Eindruck hatte, “Sacrifice” sei eine Art Gothic-Rock-Konzeptalbum, fragte ich kurzerhand nach. Ein kurzes E-Mail-Interview mit Lars Kappeler, dem Kopf und Bassisten der Band.

TheProgThief (TPT): Wer seid ihr?

Lars: “Ganz pragmatisch, Sweet Ermengarde aus dem Ruhrgebiet. Alles andere überlasse ich dem Hörer, inkl. Genre Zuweisungen. Na ja, ich würde unsere Musik schon als Gothic -+69*5Rock bezeichnen, aber durchaus mit genreübergreifenden Einflüssen, wie z.B. Dark Ambient oder Psychedelic Rock.”

TPT: Woher kam das Faible für “dunkle” Musik?

Lars: “Der war bei mir schon immer da und betrifft nicht nur die Musik. Schon als Kind haben mich Gruselgeschichten immer am meisten Fasziniert und bis heute liebe ich Horrorfilme und Romane. Da ist es nicht weiter überraschend, wenn das auch in meinen Musikgeschmack Einzug gehalten hat. Mittlerweile gehöre ich die Meiste Zeit meines Lebens zur Gothic Szene.”

TPT: Ist “Sacrifice” einem Thema gewidmet? Es hat fast schon den Eindruck eines Konzeptalbums.

Lars: “Tatsächlich ist es das nicht. Eigentlich wollte ich sogar Back to the Roots und wieder ein etwas songorientiertes Album machen. Meine Vorliebe für lange Atmosphäre Songs kann ich dann aber doch nicht ganz abschütteln, was man deutlich im Opener hört, der in drei Tracks aufgeteilt wurde.”

Ich muss zugeben, dass “Sacrifice” mich als Prog-Head sehr anspricht. Es ist kein Konzeptalbum und doch höre ich es wie eines. CD auspacken, in den Player, Kopfhörer auf und die Fernbedienung bleibt beim Player. Das kostet Zeit, aber für mich ist Musik kein Nebenprodukt. Konzentrieren wir uns also auf die Musik.

CD Album Sacrifice by Sweet Ermengarde, inner cover

Drew Freeman ist der neue Sänger, und seine Stimme passt zur sehr dunklen Stimmung. Selbst die von mir geschätzten “Schwestern der Gnade” klingen daneben beinahe fröhlich. Neben Gothic-Rock höre ich hier durchaus auch härtere Gangarten.

Die ersten drei Songs sind für mich ein langer Track von etwas über neun Minuten und damit das erste Highlight. “Fragments” hat für mich besonders am Anfang etwas Kirchliches. Etwas wird zusammengesetzt. „Faith Healer“ ebenfalls, doch er wirkt drängender. Die Fragmente brauchen einen Heiler? “Fragment Reprise” schließt diesen Block ab. “Asylum Visitor” lebt neben den Gitarren von den düsteren Vocals im Hintergrund. Klingt gut. “Sweet Sacrifice” nimmt dann etwas Fahrt auf und zieht uns mit. Für mich Highlight zwei. Hier gefallen mir die Basslinien besonders gut. “All that i am, all that i was, sweet sacrifice”. Der Song “The 5th Horizion” ist ein schmissiges Lied mit gutem Tempo. Neben den ersten drei Songs gehören „Soul Surrender“ und „Soul Surrender Part II“ zum nächsten Highlight und sind für mich ein Song. “Viscera” reißt uns aus der “leichten Lethargie” raus und wir sind wieder voll da. Ein geiler Song zum Mitwippen. „Genesee“ bringt uns schnell wieder runter und bleibt dabei düster und stimmungsvoll. “Silent We Mourn” steht dem im nichts nach und mit “Embers Fall” kommen wir zum Herzstück dieses Albums. Mit 07:23 Minuten Länge, wechselnden Stimmungen und wechselnder Musikstile: Von Ballade zu Dark Metal, Gothic und zurück. Stark textorientiert. Wie die Wörter fallen, passend zum Drive der Musik. Als Prog-Head ist das für mich ganz großes Kino. Schwieriger zu bewerten ist dagegen der instrumentale letzte Song. “Of Her Heart’s Ocean” ist mit 11:07 der längste Song. Auch wirkt er wieder kirchlich auf mich. Die quietschenden Geräusche interpretiere ich entweder als lange verschlossene Pfade in ihrem Herzen (kitschig-romantisch von mir) oder als Türen eines Gefängnisses. Was die Band dabei für Bilder im Kopf hatte, werden wir wohl nicht erfahren, aber das ist gerade das Schöne an Musik: Meine Interpretation ist gebunden an meine Emotionen.

CD Album Sacrifice by Sweet Ermengarde, Autograph card

Bei meiner CD lag noch eine Karte der Band dabei. Mein Fazit fällt mir nicht schwer. Diese CD landet fast jeden Tag im Player. Die Musik ist stimmungsvoll durchdacht, Lyrics und Struktur bilden eine sich gegenseitig unterstützende Einheit. Das ist für mich kein klassischer Gothic, und das liegt an den ambientartigen Klangstrukturen im Hintergrund.

Sweet Ermengarde sind:

Drew Freeman – Vocals
Jaques Moch – Guitar
Robin Böhm – Guitar
Mischa Kliege – Drums
Lars Kappeler – Bass

CD Album Sacrifice by Sweet Ermengarde, Backcover

Die Fotos stammen alle von meiner CD. Die Rechte aller Motive, Logos, Texte und Schriften, die auf den Fotos zu sehen sind, liegen natürlich beim Rechteinhaber.

TheProgThief
©21.09.2024

TheProgThief
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