Close To The Edge by Yes
Yes
“Close To The Edge”
Progressive Rock. Black Vinyl, Gatefold, Reissue, 2012 (1972).
“Close To The Edge” erschien 1972 bei Atlantic Records und ist das fünfte Album der britischen Prog-Rock Band Yes. Profitabel war das Album damals schon, die Kritiken jedoch waren geteilter Meinung. Heute wird “Close To The Edge” als der künstlerische Höhepunkt der Band Yes angesehen und als Vorbild für den Prog-Rock der frühen 70er Jahre genannt. Wobei hier nicht vergessen werden sollte, das Genesis, King Crimson oder Pink Floyd bereits existierten und sich Gegenseitig beeinflussten. Unter den 50 besten Alben des Progs, belegt es Platz 5.
Manche sagen, das jeder Prog-Head dieses Album in seiner Sammlung haben muss. So einer Regel folge ich jedoch nicht. Und manchmal ist das ein Fehler.
Trotz aller Verdienste für den Prog, schaufelten, wie auch Gentle Giant und King Crimson, Yes unbewusst mit am ersten Grab für den Prog. Es wurde später im Prog zu verkopft, ständige Wechsel in den Line-Ups, zu viele Schnörkel, Weltmusik, eitle Frickeleien an den Instrumenten, und ganz besonders schlimm: Free-Jazz. Es gibt Menschen, die das mögen. Ich nicht. Progressive lebt davon, unterschiedliche Richtungen zu vereinen, es wurde irgendwann einfach nur zu viel. Weitaus größer beschleunigten die Dynamiken im enstehen neuer Genres in den 70er Jahren diesen ersten Untergang. Dazu wandten viele Menschen sich diesen Genres zu. Metal, Punk und den aufkommeden Wave. Besonders im Punk dominierten kurze, knackige Songs, Provokationen und Auflehung. Wer wollte da noch Tracks mit mehr als 10 Minuten Länge hören? Pink Floyd (wobei Pink Floyd eben mehr als Prog ist) überlebte diese Phase, während Prog-Bands wie Yes, Gentle Giant und Genesis versuchten, sich an diese veränderen Bedingungen anzupassen und sich vom Prog entfernten. Ich habe Yes früher nur am Rande wahrgenommen und bin erst viel später auf “Close To The Edge” getroffen. Deswegen rezensiere ich hier die 180gr Reissue von 2012. Eine wunderschöne Platte, die alles enthält was Prog ausmacht. Selbst im Melodic Neo-Prog können wir noch Elemente von Yes entdecken. Dieses Album ist, wie King Crimsons “In The Court Of The Crimson King” aus dem Jahre 1969, zeitlos und ein Meilenstein des Progs.
Wieder ein Album, über das Professoren Abhandlungen geschrieben haben. Was soll da ein kleiner Prog-Head wie ich noch schreiben? Nur soviel: es ist aufgebaut wie eine Sonate, da es hier aber wohl locker um Hermann Hesses Siddhartha geht, nimmt das Ende nicht den Ton des Anfangs wieder auf. Der Weg ist das Ziel.
Eigentlich kann ich nur an diesem Album beschreiben, was mir am Prog so gut gefällt. Aufbrechen von Konventionen in der Musik, bei gleichzeitiger Rückbesinnung auf klassische Kompositionsformen. Ausgeprägte Keyboardpassagen, frickeligs Gitarrenspiel, interessante Bassläufe, gekonntes Schlagzeug, Verwendung von Genre fremden Instrumenten (z. B. Sitar), mehrstimmiger Gesang, Brüche im Takt, lange Stücke, bei Konzeptalben keine Pausen zwischen den Tracks, sondern fließende Übergange. Habe ich was vergessen? Ganz bestimmt!
So befinden sich drei Songs auf dem Album. “Close To The Edge” belegt mit 18 Minuten die gesamte erste Seite, unterteilt sich jedoch in 5 Unterparts. Es geht los mit Naturgeräuschen und geht über in typische proggige Frickeleien. Langsam geht das über in mehr melodische Parts und der angenehmen Stimme Jon Andersons. Genau der Kontrast zwischen instrumentalen Frickelleien, melodischen Parts und Gesang, ist hier perfekt gelungen. Und es gibt immer wieder neues zu entdecken. Und dadurch wird es nie langweilig.
Seite B beginnt mit dem 10 minütigen “And You And I” (unterteilt in 4 Parts) völlig anders, akustisch, ruhig sehr melodisch mit schönen, symphonischen Melodiebögen. So manche Gesangspassagen der Band IQ erinnern mich an Yes. Ein einfach schöner Prog-Song. Und auch das mag ich am Prog: Die Vorfreude auf die Stellen im Track, die einen besonders gefallen. “Siberian Khatru” bringt dann den Rock zurück. So manche Melodien erinnern an amerikanische Krimiserien der 70er Jahre. Was wir hören ist ein typischer Prog-Song mit vielen unterschiedlichen Passagen und hier stimmt die Mischung aus Breaks, Melodie und leichten Frickeleien. Mit diesem Album hat Yes alles richtig gemacht.
Fazit
Vorbild nicht nur für den Prog der 70er, auch für den Prog heutzutage. Zeitlos. Perfekte Mischung aus wunderbaren Melodien und proggigen Frickeleien. Kritik? Ich habe dieses Album zu lange ignoriert. Nebenbei klingt die vinyle Variante (die keine störenden Geräusche besitzt) sauber und liegt flach auf dem Teller.
Die Credits spare ich mir jetzt, denn sie stehen alle auf der Rückseite des Albums.
Die Fotos stammen alle von meiner LP. Die Rechte aller Motive, Logos, Texte und Schriften, die auf den Fotos zu sehen sind, liegen natürlich beim Rechteinhaber.
No AI was used in the making of this Review.
©05.09.2026




