Close To The Edge by Yes
Yes
“Close To The Edge”
Progressive Rock.
• LP, Black Vinyl 2012 (1972)
• Reissue, 180gr
• Atlantic Records
• 8122797157
• neu
“Close To The Edge” erschien 1972 bei Atlantic Records und ist das fünfte Album der britischen Prog-Rock Band Yes. Profitabel war das Album damals schon, die Kritiken jedoch waren geteilter Meinung. Heute wird “Close To The Edge” als der künstlerische Höhepunkt der Band Yes angesehen und als Vorbild für den Prog-Rock der frühen 70er Jahre genannt. Unter den 50 besten Alben des Progs, belegt es Platz 5.
Manche sagen, das jeder Prog-Head dieses Album in seiner Sammlung haben muss. So einer Regel folge ich jedoch nicht. Und manchmal ist das ein Fehler.
Trotz aller Verdienste für den Prog, schaufelten, wie auch Gentle Giant und King Crimson, Yes unbewusst mit am ersten Grab für den Prog. Yes brachten später Eigenschaften in den Prog, die ihn überladen und selbstreferenziell werden ließen.Es wurde später im Prog zu verkopft, ständige Wechsel in den Line-Ups, zu viele Schnörkel, Weltmusik, eitle Frickeleien an den Instrumenten, und ganz besonders schlimm: Free-Jazz. Es gibt Menschen, die das mögen. Ich nicht. Prog wurde nicht nur musikalisch überfrachtet, sondern geriet besonders durch die veränderte Musikkultur der 70er Jahre zusätzlich unter Druck.
Ich habe Yes früher nur am Rande wahrgenommen und bin erst viel später auf “Close To The Edge” getroffen. Deswegen rezensiere ich hier die 180gr Reissue von 2012. Eine wunderschöne Platte, die alles enthält was Prog ausmacht. Selbst im Melodic Neo-Prog können wir noch Elemente von Yes entdecken. Das zeigen IQ zum Beispiel im Album “The Road Of Bones”, denn hier zerstört die Komplexität auch nicht die starken melodischen Aspekte.
Wieder ein Album, über das Professoren Abhandlungen geschrieben haben. Was soll da ein kleiner Prog-Head wie ich noch schreiben? Es erinnert mich vom Aufbau her an eine Sonate, da es hier aber wohl locker um Hermann Hesses Siddhartha geht, nimmt das Ende nicht den Ton des Anfangs wieder auf. Der Weg ist das Ziel.
Eigentlich kann ich nur an diesem Album beschreiben, was mir am Prog so gut gefällt. Aufbrechen von Konventionen in der Musik, bei gleichzeitiger Rückbesinnung auf klassische Kompositionsformen. Ausgeprägte Keyboardpassagen, frickeligs Gitarrenspiel, interessante Bassläufe, gekonntes Schlagzeug, Verwendung von Genre fremden Instrumenten (z. B. Sitar), mehrstimmiger Gesang, Brüche im Takt, lange Stücke, bei Konzeptalben keine Pausen zwischen den Tracks, sondern fließende Übergange. Habe ich was vergessen? Ganz bestimmt! Hier funktioniert der Kontrast zwischen Virtuosität, Musik und Gesang. Etwas, woran andere Prog Bands scheitern, funktioniert hier für mich. Das macht für mich besonders der erste Track “Close To The Edge” deutlich.
Das Album besteht aus drei Songs. “Close To The Edge” belegt mit 18 Minuten die gesamte erste Seite, unterteilt sich jedoch in 5 Unterparts. Es geht los mit Naturgeräuschen und geht über in typische proggige Frickeleien. Langsam geht das über in mehr melodische Parts und der angenehmen Stimme Jon Andersons. Dieser Kontrast zwischen instrumentalen Frickelleien, melodischen Parts und Gesang, unterscheidet dieses Werk von anderen Prog Alben, es gibt immer wieder neues zu entdecken, denn dadurch wird es nie langweilig.
Seite B beginnt mit dem 10 minütigen “And You And I” (unterteilt in 4 Parts) völlig anders, akustisch, ruhig sehr melodisch mit schönen, symphonischen Melodiebögen. So manche Gesangspassagen der Band IQ erinnern mich an Yes. Ein einfach schöner Prog-Song. Und auch das mag ich am Prog: Die Vorfreude auf die Stellen im Track, die einen besonders gefallen. “Siberian Khatru” bringt dann den Rock zurück. So manche Melodien erinnern an amerikanische Krimiserien der 70er Jahre. Hier stimmt die Mischung aus Breaks, Melodie und leichten Frickeleien. Mit diesem Album und seiner Komplexität, gelingt es Yes etwas tragendes zu kreieren. Dabei mangelt es der Produktion aus heutiger Sicht an Transparenz, die aber der Komplexität gut getan hätte. An manchen Stellen des Albums spürt man schon, das hier sehr viele kleine Schnipsel aneinander gehängt woden. Dadurch wirkt die Komposition auf mich nicht so organisch, wie das Album es verdient hätte.
Fazit
Vorbild nicht nur für den Prog der 70er, auch für den Prog heutzutage. Kritik? Ich habe dieses Album zu lange ignoriert.
Diese vinyle Variante (die keine störenden Geräusche besitzt), liegt auch noch sauber und flach auf dem Teller.
Die Credits spare ich mir jetzt, denn sie stehen alle auf der Rückseite des Albums.
Die Fotos stammen alle von meiner LP. Die Rechte aller Motive, Logos, Texte und Schriften, die auf den Fotos zu sehen sind, liegen natürlich beim Rechteinhaber.
TheProgthief
©05.09.2026
Mk 2




