The Human Equation by Ayreon
Ayreon
“The Human Equation”
Doppel-CD mit Booklet
Arjen Lucassen, “Mastermind” hinter Ayreon, macht seit 1995 hauptsächlich Konzeptalben. Diese sind progressive rockig, metallig, folkig und spacig. Zugleich immer episch breit und gespickt mit Gastmusikern.
2004 erschien mit “The Human Equation” der fünfte Teil des Forever Zyklus, nach meiner Lesart. Somit ist es der Nachfolger von “Into The Electric Castle”. “The Human Equation” spielt in der Gegenwart. Zunächst ist nicht klar, dass auch hier die Forever ihre Finger im Spiel haben. Die Story beginnt im Krankenhaus. Der Hauptcharakter “Me” wird gesungen von James LaBrie (Dream Theater), die “Ehefrau” von “Me” wird von Marcela Bovio gesungen(Star One) und der beste “Freund” von “Me” von Arjen Lucassen persönlich. “Me” ist ein zerirsener Charakter, ein kalter Geschäftsmann (“dank” des Vaters), denn eigentlich wäre “Me” lieber Künstler geworden. “Me” lenkt also auf leerer Straße sein Auto gegen einen Baum. Äußerlich unverletzt liegt er nun im Koma und führt einen inneren Krieg. Dieser endet nach 20 Songs, bzw. 20 Tagen im Koma.
Und gleich hier muss ich Kritik anbringen. Für mich wirkt die Verbindung zu den Forever künstlicher als bei den anderen Alben. Die Geschichte von “Me” funktioniert auch eigenständig. Erst mit “01011001” bekommt das Album für mich rückwirkend eine Funktion. Die Forever versuchen in ihrer Ignoranz, die Emotionen der Menschen zu verstehen, und denken, dafür nur die „menschliche Gleichung“ lösen zu müssen. Für sie ist der von ihnen erschaffene Mensch ein Problem, das sich wie eine Laborratte analysieren und lösen lässt. Nur wie will eine emotionslose, außerirdische Gesellschaft überhaupt die inneren Konflikte, Unsicherheiten und vielschichtigen inneren Stimmen der Menschen überhaupt erfassen? Schon so mancher Soziologe hat versucht, Sozialisation in ein naturwissenschaftliches Korsett zu zwingen. Das funktioniert nicht. Das später erschienene “01011001” (2008) rettet “The Human Equation”, denn in meiner Chronologie spielt es vor “The Human Equation”. Ich behaupte, dass dieses Album ohne das Wissen aus “01011001” innerhalb “meines” Forever Zyklus keinen Sinn ergibt. Natürlich funktioniert es auch einzeln für sich, denn es ist trotzdem ein gutes Album. Mit “01011001” wird es allerdings ein Puzzleteil der Forever-Geschichte. Es passt, aber ich sehe trotzdem eine Kante.

Hervorheben möchte ich Mike Baker als “Vater” und Devin Townsend als “Wut” in Song 16, “Loser”. Während der “Vater” seinen Sohn “Me” aufs Übelste beleidigt, springt “Wut” aus der Ecke und kreischt alles zu Boden. Diesmal nur ein Song? Ausnahmslos alle Songs sind gut gemacht. Alle Charaktere, alle Emotionen sind hervorragend besetzt. Heather Findlay als “Liebe”, Irene Jansen als “Leidenschaft”. Einen einzelnen rauspicken? Macht für mich keinen Sinn.
Ein Fazit.
Dieses Album brauchte einige Durchgänge bei mir und es hat so seine Tücken, denn ich fand es überladen, nicht neu und ja, typisch Ayreon. Doch mit jedem Durchgang wurde mir klar: Es steht für mich “Into The Electric Castle” und “01011001” musikalisch in nichts nach, bis auf meine inhaltliche Kritik oben. Arjen produziert wieder Kopfkino, führt eine Armee Musiker zur Höchstform und erschafft wieder ein gutes Album. Anhören: “Isolation”, “Loser” und “Confrontation”. Am Ende ist der Mensch nur eine Gleichung?
Reihenfolge der Alben des “Forever” Zyklus nach Erscheinungsdatum.
1995 The Final Experiment
1998 Into the Electric Castle
2000 Universal Migrator Part I “The Dream Sequencer”
2000 Universal Migrator Part II “Flight of the Migrator”
2004 The Human Equation
2008 01011001
2017 The Source
Die Fotos stammen alle von meiner CD. Die Rechte aller Motive, Logos, Texte und Schriften, die auf den Fotos zu sehen sind, liegen natürlich beim Rechteinhaber.
TheProgThief
©02.11.2024
Mk 2




